Loslassen und an nichts denken (Solothurner Tagblatt)

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Marco Grubert weiss, wie es im «Eurosat» aussieht. Als Präsident des Schweizer Achterbahn Fanclubs hat er die nötigen Kontakte. Am Wochenende besucht der Verein das Phantasialand – Nichtmitglieder sind willkommen.

Die "Expedition GeForce" im deutschen Hassloch ist der absolute Favorit von Achterbahn-Vereinspräsident Marco Grubert (v.l.). / zvgMarco Grubert muss nicht lange überlegen. «Ich fühle mich frei, muss an nichts denken, kann loslassen. Und natürlich ist da dieser Adrenalin-Kick, den ich immer wieder erleben will», erklärt er seine Faszination für Achterbahnen. Der 19-Jährige aus Balm bei Günsberg ist einer der grössten Freaks der Schweiz – schliesslich gründete er vor drei Jahren gemeinsam mit einem Kollegen den Schweizer Achterbahn Fanclub mit Sitz in Balm. Sie scheinen damit den Nerv der Zeit zu treffen: Startete der Verein seinerzeit mit weniger als 10 Mitgliedern, sind es heute schon deren 123 – wobei das jüngste Mitglied 9-jährig, das älteste 50-jährig ist.

Sonderrechte

Kein Wunder, denn die (übrigens noch kostenlose) Mitgliedschaft zahlt sich aus: Weil der Verein gute Kontakte zu den Freizeitparks pflegt, erhalten die Fans ab und zu Sonderrechte, welche den «normalen» Besucher vor Neid erblassen lassen. «Wir können die Bahnen manchmal ausserhalb der Öffnungszeiten nutzen, so dass das lästige Anstehen wegfällt», erzählt Grubert. Selbstverständlich würden dann auch gleich mehrere Durchgänge drinliegen. Im sonst stockdunklen «Eurosat» im Europapark Rust liessen die Parkbetreiber für die Fans aus der Schweiz einmal extra das Licht brennen – mit der Folge, dass Grubert seither nie mehr die Arme in die Höhe streckt. Es könne dort nämlich ganz schön eng werden...

Gefährlich ist das Hobby aber nicht: Die Wahrscheinlichkeit, einen Achterbahnritt nicht zu überleben, liegt gemäss einer Studie bei 1 bis 1,5 zu einer Milliarde. «Die Anfahrt zu den Freizeitparks ist da definitiv gefährlicher», sagt Grubert.

Silverstar? – Familienbahn!

Wieviele Bahnen er im Laufe der Jahre schon persönlich getestet hat, weiss der Balmer nicht mehr. Zwischen 50 und 100 seien es aber mit Sicherheit. Seine Lieblingsbahn trägt den Namen «Expedition GeForce» und steht in der deutschen Ortschaft Hassloch. «Man fällt senkrecht, und die Bahn macht eine schraubenförmige Bewegung», erzählt er mit leuchtenden Augen. Und der «Silverstar», das Aushängeschild des Europaparks? Die sei auch nicht schlecht, aber im Vergleich dazu eine Familienbahn...

Um die USA kommen wahre Achterbahnfreaks nicht herum – gibts doch dort die grössten und verrücktesten Freizeitparks. Grubert reist im Spätsommer für vier Wochen nach Kalifornien. «Aber nicht nur der Achterbahnen wegen», betont er. Selbstverständlich werde er jedoch dem einen oder anderen Park einen Besuch abstatten. Und die Schweiz? «Bahnenmässig läuft nichts. Im nächsten Jahr soll jedoch am Bodensee eine eröffnet werden», informiert Grubert. Aber, was viele nicht wissen: Die Schweizer gehören zu den besten Achterbahnbauern der Welt. So zeichnet die Intamin AG mit Sitz in Wollerau für die höchste und schnellste Achterbahn der Welt verantwortlich. «King da Ka» erreicht eine Geschwindigkeit von über 200 km/h und ist über 140 Meter hoch.

Auch die Walliser Firma Bolliger & Mabillard ist dick im Geschäft: Sie war am Bau der «Black Mamba» beteiligt, welche Ende Mai im Phantasialand in Köln in Betrieb genommen wurde.

Beim Schweizer Fanclub ist man stolz auf die weltweit tätigen Achterbahnbauer. In den Statuten ist denn auch die «Erhaltung der Schweizer Achterbahnfirmen» als ein Vereinsziel festgehalten. An erster Stelle steht jedoch die Durchführung gemeinsamer Besuche in Freizeitparks: «Es macht noch viel mehr Spass, die Bahnen gemeinsam zu geniessen», sagt Grubert. Dieses Wochenende steht deshalb ein Besuch im Phantasialand in Köln an – schliesslich müssen sich die Freaks selber überzeugen von den Qualitäten der «Black Mamba».

Solothurner Tagblatt - 15. Juni 2006

Last modification: So 13 Aug 2017